Posts mit dem Label Filosofiererei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Filosofiererei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 26. August 2011

Erzähl mir was - “Storytelling” in der Fotografie (Teil 1)

Und weiter geht es mit den Fototutorials. Diesmal habe ich mir zu der Forderung des "Storytellings" in der Fotografie Gedanken gemacht. Ich stolpere ständig darüber, daß man in diesem Forum, in jenem Blog, in welchem Buch fordert, eine Story mittels eines Fotos zu erzählen. Aber wieso? Warum? Ich dachte nach und dachte, daß das vielleicht ein nettes Thema für meine Tutorialreihe sein könnte, die, ich gestehe, regelmäßiger erscheinen könnte. Diesmal also eher ein kreatives denn technisches Problem könnte man sagen...(was übrigens auch bedeutet, daß ich hier sehr subjektiv argumentiere. Das ist meine Meinung (also, im zweiten Teil dann), keine objektiv nachvollziehbare Sache - was heißen soll: es ist legitim eine vollkommen andere Auffassung zum Thema zu haben. Der erste Teil jedoch ist eher Theorie und davon habe ich Ahnung was heißen soll: glaubt es mir einfach...;-))

Dieses Bild dient keinem besonderen Zweck sondern nur dazu, das Posting ein wenig aufzulockern und davon abzulenken, wie lang es eigentlich ist.

Wann immer man ein Fotografielehrbuch aufschlägt, eine Internetseite zur Fotografie aufruft, sich in irgendwelchen Fotografieforen herumtreibt: irgendwann wird man unweigerlich auf den Punkt stoßen, wie wichtig es sei, eine “Geschichte” in der seiner Fotografie zu erzählen. Es ist nahezu vollkommen egal, welches Buch man aufschlägt. Immer wieder liest man die Forderung, eine “Geschichte” zu erzählen. Ein Foto ohne “Story” ist, glaubt man den Schreiberlingen, wertlos. Ganz egal, wie gut das Foto sonst sein mag und ganz egal, welches Sujet gezeigt wird. Landschaft - erzähl’ eine Geschichte, dann wird es besser. Food-Fotografie? Erzähl’ eine Geschichte. Fashion? People? Product? Blümchenmacros? Erzähl’ eine Geschichte. Kurz: Sag mir was mit dem Foto, sonst verschwende ich meine Zeit nicht damit.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Kreativer Frust

Kreativer Frust - ich habe das Gefühl, daß kaum Zeit bleibt, wirklich kreativ zu arbeiten. Zwischen Kind, Haushalt, Alltagskram, Ehemann, Telefonaten mit der Familie, Papierkram, Aufsetzen der Selbständigkeit und - ja, immer noch - der Unvollendeten, die mir wie Blei im Magen liegt (ich gebe zu, ich vergesse sie über Wochen, bis mir siedendheiß einfällt, daß ich um Himmels willen endlich die Fußnoten in Ordnung bringen muß. Das ist alles. Wirklich. Nur noch drei Fußnoten!!!). Gerade erst war es wieder so ein Tag. Die Woche hat angefangen mit einem (teilweise überflüssigen) Arztbesuch, Hetze zum Arbeitsplatz des Mannes, um den Blumenstrauß abzuholen, zum Kindergarten, zur Playgroup, zum Geschenkkaufen, zum DVD-Abgeben, zum Kochen. Heute ging es ähnlich: Logopädin, Kindergarten, überfällige Büchereibücher, Kindergarten, Geburtstag und jetzt wollte das Kind trotz fünfstündigen Bauernhofaufenthalts nicht wirklich ins Bett. Liegengeblieben ist eine Menge. Haushalt. Papierkram. Fotos, die ich eigentlich noch verschicken muß. Dringende Recherchearbeiten.

Und so läuft mir Tag für Tag die Zeit davon. Irgendwie ist nie genug Zeit da, um der Kreativität Raum zu geben. Dem bißchen, was noch da ist. Denn: Kreativität braucht Zeit. Zeit zu wachsen. Es muß nachgedacht werden über Dinge, die ausgedrückt werden wollen. Nimmt der Alltag Überhand, dann bleibt nichts mehr, was noch gesagt werden muß, denn man nimmt sich nicht den Raum, nachzudenken. Nachdenken über das, was man zu sagen hat, über das, was noch übriggeblieben ist von dem, was man sagen will. Nachdenken über das, wie man das ausdrücken will, ob es nun jemanden interessiert oder nicht. Auf diese Weise - durch das Überhandnehmen des Alltags, Überhandnehmen der "wichtigen" Dinge - ist meine Malerei eingegangen, eines kläglichen Todes gestorben. Das Desinteresse hat gewonnen, denn zu mühsam ist die Beschäftigung mit Pinsel und Farbe.

Zum Glück gibt es ja die Fotografie, die, wenngleich nicht viel weniger schwierig, in weniger Zeit bewältigt werden kann - eine sehr verführerische Illusion. Denn auch bei der Malerei, man sollte sich das klarmachen, geht es nicht um das Malen an sich. Malen kann jeder Depp lernen. Es geht um das Meistern der Technik, bis sie so weit verinnerlicht ist, daß sie intuitiv wird. Das ist die Leichtigkeit, der Eindruck der Mühelosigkeit, der bei den wirklichen Meistern immer wieder in den Bildern zum Vorschein kommt. Schwieriger ist es, das Bild zu meistern. Komposition, Aussagekraft, nicht nur ein Bild zu schaffen, sondern ein Bild, das in dem Akt der Betrachtung beim Betrachter etwas auslöst: eine seelische Regung, Nachdenken, Überwältigung. Und genau darum geht es doch im Grunde auch bei der Fotografie, jedenfalls bei der Art Fotografie, die nicht für irgendwelche Stockagenturen, Werbung etc. gemacht wird, sondern der Fotografie, die kreativer Ausdruck ist. Die Technik ist eine andere, das Ziel ist dasselbe.

Aber um kreativ zu sein, braucht es Zeit, denn Kreativität ist ein Akt des Suchens. Und für diese Suche kann man keine Ablenkung gebrauchen. Sie ist nicht "eben mal so" dahingeschludert. Sie passiert nicht schnell, schnell zwischen Küche und Kindergarten. Sie kann nicht in der Zeit erfolgen, die ich mir abknapse, um zu fotografieren. Schnell, schnell, noch raus um das Licht auszunutzen. Suche nach dem idealen Standpunkt? Egal, keine Zeit. Warten auf den genau richtigen Moment? Keine Zeit, ich habe nur eine halbe Stunde. Und so weiter. Geduldiges Arrangieren und Rearrangieren, um die Komposition zu finden - keine Zeit, es muß auch so gehen. Und so knipse ich vor mich hin, ohne mir wirklich Zeit zu nehmen, meine Fotografie zu überdenken, zu überlegen, zu warten, zu suchen, mich zu fragen, was ich eigentlich erreichen will. Und ärgere mich hinterher über die Ergebnisse, weil ich nicht vorher durchdacht habe, was ich eigentlich will.

Das Schlimmste dabei ist, daß ich allen anderen die Schuld zuschustere. Meinem Mann, weil, naja, er ist sowieso immer derjenige - schließlich ist der Ärmste ja mit mir verheiratet. Meinem Sohn, weil er mal wieder nicht ohne Kuscheln ins Bett will ud mir meine freie Zeit "raubt". Dem Mistding Fernseher, der im Hintergrund dudelt und mich bei der Konzentration stört. Tati, weil sie wieder endlos am Telefon quasseln will. Dem Haushalt, der nie endet. Und so weiter. Und am Ende bin ich frustriert. Im tiefsten Inneren weiß ich ja, daß ich es selbst Schuld bin, da ich mir die Zeit nicht nehme. Ich setze mich hin und lasse mich von Flickr oder den zahllosen Blogs ablenken, denn es ist, wir kommen jetzt zum Kern der Sache, einfacher so.

Nachdenken ist anstrengend. Punkt. Schlampige, mittelmäßige Arbeit ist weniger zeitraubend, weniger mühsam, weniger von allem. Ich mache es mir zu leicht. Zu leicht damit zu sagen, daß alle anderen und alles andere Schuld ist. Das ist nämlich gar nicht wahr. Zu leicht damit zu sagen, daß ich keine Zeit habe, weil nichts mir Zeit läßt. So, daher in Zukunft der Vorsatz: ein Mal pro Monat endlich meine, mir schon seit gut einem Jahr herumspukende Fotoserie, umzusetzen. (Damit meine ich übrigens den rein fotografischen Aspekt, bzw. den Aspekt des Bildproduzierens. Das Ganze zu entwickeln kann länger dauern.) Kein Essen, keine Landschaft, sondern..ja, irgendetwas anderes.

Ob ich es hier zeige oder nicht, weiß ich noch nicht, nur eben, daß es Zeit wird, den Frust loszuwerden und endlich mit der Prokrastination aufzuhören. Endlich anfangen, endlich weiterkommen.


Montag, 21. Juni 2010

Pholosophisches. Schwere Kost am Abend. Teil 1. Vielleicht bleibt es auch bei Teil 1

Wo ich so am Räumen und am Kramen und am Wegwerfen bin - jaja. Es geht schon wieder um den Umzug...  - höre ich mich immer wieder zu anderen sagen, daß es mir nichts ausmacht, den größten Teil unseres Hausstandes zu verkaufen. "Den Krempel loswerden"; "Ausmüllen" so nenne ich es. Traurig, nicht wahr? Nein, und jetzt kommt mir keiner damit, daß es gut tut, auszumisten, denn genau darum geht es hier. Nicht um das Ausmisten an sich, sondern um das, was man da eigentlich ausmistet.

Und tatsächlich wird mir dabei immer bewußt, daß es die Wahrheit ist: wir sind gerade dabei, unsere Möbel zu verkaufen, den Kleinkram loszuwerden, den Rest an die Wohlfahrt zu verschenken und das, was keiner haben will, wegzuwerfen. Auf die Frage hin, was wir denn eigentlich mitnehmen wollen, wußte ich keine vernünftige Antwort. Schulterzucken. Mitnehmen werden wir Kleinkram. Ein paar Bücher, die ultratolle Kaffeemaschine, den Werkzeugkasten, ein paar Kleider, ein paar Spielzeuge des Kleinen.

Leid tut es mir kein bißchen. Sicher, ich mag unsere Möbel, ich habe gerne in ihnen und mit ihnen gelebt. Aber mein Herz hängt nicht daran, ich kann sie einfach so weggeben. Und das ist genau das Problem: mein Herz hängt nicht daran. Ein wenig unheimlich wird mir bei diesem Gedanken. Wir belasten uns mit Dingen, an denen wir nicht hängen, die ersetzbar sind, die wir einfach so weggeben können, wegwerfen können. Kurz gesagt: wir umgeben uns mit wertlosem Krempel. Wir misten das aus, woran wir sowieso nicht hängen. Gut, meine Nähmaschine ist ein kleines Opfer, ebenso wie das Mopped.

Dabei hat es nichts damit zu tun, wie teuer eine Sache war. Wertloser Krempel wird es, sobald man anfängt, diesem Gegenstand keinen Wert beizumessen, ihn mit einem Schulterzucken abzutun. Oder um es plastischer auszudrücken: der tollste 100.000-Euro-Wagen kann weniger Wert haben als die erste Schrottkiste, die man sich mühsam vom Munde abgespart hat. Dieser Krempel belastet im Grunde, denn eigentlich, wenn man ganz ehrlich ist, will man ihn gar nicht haben. Aber Trennung fällt auch so schwer. Und daher behält man das ganze Zeug und ist irgendwie auch nicht zufrieden.

Es läßt sich kaum vermeiden, wir sammeln Krempel an über die Jahre. Wir kriegen Zeug geschenkt, es läuft einem zu, verlockt in den Läden. Aber vielleicht kann ich, wenn ich mir das bewußt vor Augen führe, in Zukunft vermeiden, eine solche Menge an Krempel anzusammeln, der mich am Ende ja doch nur eher belastet, von dem ich froh bin, wenn ich mich trennen kann. Denn ist es letzten Endes nicht schöner, in und mit Dingen zu leben, an denen das Herz hängt? Das Designergeschirr links liegen zu lassen, um den Kaffe aus der Kaffeetasse zu schlürfen, an der man hängt und wenn sie noch so sehr Katschen hat? Der abgeschrabbelte Schrank, der einem so viel bedeutet, weil er von Oma ist? Oder das fürchterlich häßliche Undefinierbare, das von glücklicher Kindeshand zum Muttertag gefertigt wurde, das stolz am besten Platz in der Wohnung ins rechte Licht gerückt, während der Beuys in der Ecke von Spinnweben umrankt wird? Den chinesischen Plastikmüll da zu lassen wo er hingehört und sich lieber mit einigen wenigen Dingen umgibt, die etwas bedeuten?

Aber wenn ich so nachdenke, dann fällt mir ein, daß es ganz so hoffnungslos nicht ist. Der Fotoapparat, mit dem ich mich stundenlang beschäftigen kann und der zum Mittel für meine Kreativität geworden ist. Das Gekrakel, das der Kleine stolz aus dem Kindergarten angeschleppt hat. Das Namensbändchen aus dem Krankenhaus. Die Kaffeemaschine, weil die so schön Krach macht und gleichzeitig wunderbaren Kaffee. Es gibt eben doch nicht nur wertlosen Krempel hier im Haus, sondern das sind die Dinge, die ich mitnehmen werde. Irgendwie ist das schön. Ich darf den Krempel loswerden und die Dinge mitnehmen, die mir etwas bedeuten.Und genau darum geht es ja beim Ausmisten.

Ich mag Rilke. Besonders, wenn ich mich mit solchen Fragen beschäftige:

„Indem ich das ausspreche (hören Sie?) entsteht eine Stille; die Stille, die um die Dinge ist. Alle Bewegung legt sich, wird Kontur, und aus vergangener und künftiger Zeit schließt sich ein Dauerndes: der Raum, die große Beruhigung der zu nichts gedrängten Dinge.

Aber nein: so fühlen Sie die Stille noch nicht, die da entsteht. Das Wort: Dinge geht an Ihnen vorüber, es bedeutet Ihnen nichts: zu vieles und zu gleichgültiges. Und da bin ich froh, daß ich die Kindheit angerufen habe; vielleicht kann sie mir helfen, Ihnen dieses Wort ans Herz zu legen als ein liebes, das mit vielen Erinnerungen zusammenhängt.

Wenn es Ihnen möglich ist, kehren Sie mit einem Teile Ihres entwöhnten und erwachsenen Gefühls zu irgendeinem Ihrer Kinder-Dinge zurück, mit dem Sie viel umgingen. Gedenken Sie, ob es irgend etwas gab, was Ihnen näher, vertrauter und nötiger war, als so ein Ding.
(Rilke, Auguste Rodin)
(Ach ja, mein Prof meinte nach der Prüfung zu mir, daß ich nicht so wirklich der Denker-Typ sei, nicht so wirklich ein intellektueller Luftikus, sondern eher etwas Handfestes brauche. Sobald ich am Ding, d.h. Kunstwerk, arbeiten darf, bin ich gut (weil es macht mir mehr Spaß?) - das zeigte sich deutlich in meiner Dissertation. Geistesakrobatik hingegen sollte ich lieber lassen...ja, ich stimme ihm zu, Philosophie ist meine Sache nicht, aber das heißt nicht, daß ich nicht manchmal vor mich hinfilosofiere ;-))
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...