Montag, 19. April 2010

Die Chemie des Todes

Wie ich hier schon geschrieben habe, habe ich zwischen das Buch noch zwei weitere geschoben. Eines davon ist so unsäglich schlecht gewesen, daß es mir zu peinlich ist, zuzugeben, es jemals gelesen zu haben. Es lag halt so herum und ich kann ehrlich nicht mehr sagen, worum es dabei ging.

Das zweite war Simon Becketts "Die Chemie des Todes", die ich nicht besonders fand. Nette Unterhaltung, aber nichts weiter.

In einem englischen Dorf wird von Kindern eine Leiche gefunden. Der Dorfarzt begegnet den Kindern, sie erzählen ihm, was sie gesehen haben, die Polizei wird alarmiert und schon ist es vorbei mit der dörflichen Idylle. Der vermeintlich einfache Landarzt Dr. Hunter entpuppt sich als forensischer Anthropologe, der, wie könnte es auch anders sein, eine Kapazität auf seinem Gebiet ist. Er wird zur Mithilfe bei der Identifizierung der gefundenen Frauenleiche gebeten. Da er sich auf das Land zurückgezogen hat, um den Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter mitsamt seiner Vergangenheit zu vergessen, widerstrebt es ihm. Natürlich hilft er aber. Ein zweiter Mord wird begangen, im Dorf macht sich Unbehagen und Mißtrauen breit. Es muß ein Einheimischer sein, aber wer?

Bei den Ermittlungen trifft Dr. Hunter auf Jenny, blond und - wie kann es anders sein - schlank und hübsch. Die beiden verlieben sich, Dr. Hunter untersucht auch bei der zweiten Leiche Würmer und Maden und Fliegen, um den Todeszeitpunkt festzustellen und so weiter. Natürlich wird danach Jenny entführt und - praktischerweise - drei Tage gefangen gehalten. Dr. Hunter sucht und stolpert per Zufall über den Überraschungskiller, der aber noch durch eine weitere dunkle Gestalt angetrieben wird und... naja. Es ist weder originell noch besonders pfiffig. Die Handlungsabläufe sind vorhersehbar, das Mädchen wird gerettet, die Bösen sterben. Keiner kommt vor Gericht, wie das eben mit Serienmördern so ist.

Das Buch ist spannend aber nicht originell. Vieles ist vorhersehbar und so langsam nerven mich diese stereotypen Buchschönheiten, die angeblich unabhängige, moderne Frauen sind, und die sich am Ende doch als Frauchen entpuppen, die dem Retter vaaaaliept seufzend in die Arme fallen. Nervig ist auch der Serienkiller. Ein Mord reicht nicht, es müssen direkt mehrere sein, eine möglichst grausamer dahingeschlachtet als die nächste. Am Ende steht der Mörder nie vor Gericht. Nervt mich auch. Am allernervigsten fand ich die fehlende Rafinesse. Trotz der Ermittlungen, die von einem Ende zum nächsten stolpern, wird der Killer nur durch blanken Zufall gefunden. Das ist eigentlich sehr praktisch, denn so braucht man keine logische Beweiskette, keinen roten Handlungsfaden, keine Hinweise.

Spannend, aber es verdirbt den Appetit bei einigen Beschreibungen und diese Tendenz zur Grausamkeit bei heutigen Krimis oder Thrillern macht mir ein wenig Angst. Das Buch selbst jedoch wird dadurch kein bißchen besser oder spannender. Statt Intelligenz kommt das Schlachterbeil zum Einsatz, man sucht lieber den Effekt als echte Originalität oder Rafinesse, um den Verkauf zu garantieren. Den Folgeband muß ich nicht lesen.

Kommentare:

Novemberkind hat gesagt…

Ich hab´s auch gelesen und kann dir nur zustimmen. War auch ein wenig enttäuscht.

Grüße. Bina

24sieben hat gesagt…

Ich steh eher auf historische Romane, schöne und gut recherchierte Rittergeschichten. Mittlerweile hab ich sogar meinen Mann angesteckt: "Das ist so schön komplett anders als der Alltag, man denkt mal an nix anderes und ist ganz weit weg. Wie Urlaub." - Sag ich ja!

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