Sonntag, 22. Mai 2011

Ausgeklinkt

Ich habe mich heute ausgeklinkt. Normalerweise liegt mir ja das gemeinsame Wochenende sehr am Herzen, aber heute wars mir dann doch zu viel des Guten was die Motorradleidenschaft des Liebsten angeht. Er ist zu irgendeinem Motorradfreaktreffen gefahren, hier in der Nähe und hat den Kurzen mitgenommen. Mit dem Auto, denn das Mopped liegt ja bei den Großeltern. Nun, dort trifft er sich mit anderen Motorradfritzen und nem Hund. Ich hingegen wollte fotografieren. Natur oder so. Meinem Hobby nachgehen, das in den letzten vier Wochen ein wenig liegengeblieben ist (Großelternbesuch, Tatibesuch, Krankheit, Lustlosigkeit, kreatives Loch, etc.pp.)

Nun hat es aber dummerweise geregnet, was meinen Plänen, Mohn und Pusteblumen und dergleichen abzuknipsen - wie die meisten anderen Bloggerdamen es geschafft haben - einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nach fast einer ganzen Woche krankheitsbedingtem Hausarrests ist das weniger schön. Macht aber nichts, ich habe trotzdem die Kamera hervorgeholt und losgeknipst. Irgendwann werde ich mir ernsthaft Gedanken um meine Belichtungsmöglichkeiten machen müssen, es ist doch zu dunkel in der Wohnung, wenn die Sonne weg ist. Aber nicht heute. Nicht jetzt. Jetzt zeige ich lieber die Ergebnisse hausfraulichen Schaffens und liefere dann wohl am besten gleich die Rezepte dazu :-)

1. Holunderblütensirup

Holunderblütensirup habe ich gematscht. Montag sind der Kleine und ich nach der Playgroup über den hinteren Parkplatz der Anlage gegangen und haben Holunderblüten gemopst. Die wachsen ja im Moment wirklich überall :-). Diese wurden dann vorsichtig in einer Plastiktüte nach Hause transportiert und, da die wirklich sehr schnell welken, sofort in die vorbereitete Zuckerlösung geschmissen. Dort durfte das Zeug zugedeckt eine Nacht durchziehen.

Rezept: Holunderblütensirup

20-40 Holunderblütendolden (ich habe einfach alles reingeschmissen, was ich gesammelt hatte)
2 Liter Wasser
2 Kilo Zucker (klingt viel, ist viel, soll aber eine Weile halten und man braucht auch nicht viel von dem Saft)
2-3 EL Zitronensäure (auch der Haltbarkeit wegen)
3 Zitronen
Das Wasser kocht man zusammen mit dem Zucker kurz auf, so lange bis sich der Zucker aufgelöst hat. Während das Wasser sich erwärmt, schüttelt man die Holunderdolden ganz vorsichtig, denn es lassen sich gerne Insekten darin nieder. Aber nicht zu doll schütteln und keinesfalls waschen, denn sonst verliert man den Blütenstaub - das, was den Geschmack eigentlich ausmacht. Lieber die paar Käfer in Kauf nehmen, die werden hinterher ohnehin rausgefiltert. 

Man sollte auch von vornherein darauf achten, daß nicht zu viele Läuse auf dem Holunder sitzen - die oberen Stängel sind meist weniger befallen, wie ich festgestellt habe. Läsue sind eklig und lassen sich nicht so leicht wegschütteln, daher. So, die blattlosen Dolden taucht man nun in die noch warme Zuckersirupmasse, schnippelt die beiden Zitronen rein und gibt die Zitronensäure hinzu. Das Ganze läßt man mindestens 24 Stunden zugedeckt stehen. Den fertigen Sirup filtert man durch ein Mulltuch, das über ein Sieb gespannt ist - da werden dann auch die restlichen Insekten aufgefangen - und füllt den in einen großen Topf. Das wird dann noch mal ganz kurz aufgekocht.

Die Flaschen werden am besten im heißen Herd sterilisiert. Damit die nicht platzen, werden die Flaschen in den kalten Herd gestellt (darauf achten, daß die Deckel NICHT mit in den Herd kommen, die gehen kaputt) und langsam auf ca. 100 Grad erhitzt. Den heißen Sirup kann man nun angstfrei in die heißen Flaschen füllen - da beides in etwa die gleiche Temperatur hat, kann das Glas nicht unter Spannung geraten und platzen. So mache ich es auch immer, wenn ich Marmelade mache. Nix nasses Tuch oder so. Einfache Physik. Die Flaschen dicht verschließen und ca. 5 Minuten hinlegen, damit auch die letzte Bakterie, die sich eventuell ganz oben am Hals noch befindet, durch die Hitze dahingerafft wird. 

Das Ganze schmeckt in Mineralwasser, Sekt oder, wie ich gehört habe, Weißweinschorle. Einfach 2-3 EL, mehr braucht es nicht, in ein Glas geben und mit der gewünschten Flüssigkeit auffüllen. Oder über Eis. Oder, oder, oder...hält sich ca. 1 Jahr und wer Anis nicht ausstehen kann, sollte auch hier die Finger von lassen, das Ganze hat nämlich ein ziemliches Anisaroma, wie ich finde.

2. Ausgebackene Holunderblüten
Man könnte jetzt vermuten, ich sei besessen von Holunder. Aber die Zeit ist so kurz und das ist etwas, was ich schon seit Jahren ausprobieren wollte, daher noch ein Holunderrezept von mir: Ausgebackene Holunderdolden. 


Rezept: Ausgebackene Holunderblüten
ein paar Holunderblüten
5 EL Mehl
1/4 TL Backpulver
1 Ei
200 ml Milch 
eine Prise Salz
Kokosfett zum Ausbacken
Aus dem Mehl, dem Ei, den Backpulver, der Milch einen glatten Teig rühren und 30 Minuten ruhen lassen. Währenddessen die Holunderblütendolden auf Insekten hin untersuchen - hier ein wenig pingeliger als für den Sirup, schließlich wollen wir die Käfer ja nicht mitessen.
Jetzt das Kokosfett erhitzen und auf entsprechende Temperatur bringen. Die Holunderblüten in den Teig tauchen und ab in das heiße Fett. So lange ausbacken bis es goldbraun wird. Das Ganze mit Puderzucker bestäubt servieren. Man kann auch eine Dippsauce aus pürierten Erdbeeren dazu reichen, das schmeckt auch recht lecker. 


3. Erdbeerjoghurt mit Vanille
Und noch etwas Saisonales: Erdbeerjoghurt. Ich ärgere mich immer darüber, daß der Sohn diese süßen Fertigjoghurts ißt. Ja, sicher, ich muß die nicht kaufen, das ist richtig. Aber ich lasse mich immer wieder belabern und ärgere mich dann, wenn das Kind immer wieder wie eine Aufziehpuppe zum Kühlschrank taumelt und seinen Stoff - Joghurt - holt. Weil es ja eigentlich nur noch Zuckerplörre mit diversen Aromen ist, die man heutzutage kaufen kann.

Die Alternative ist - natürlich - das Einfachste von Welt und gesund: Selbermachen. Das Kind ist derzeit  besessen von Vanillejoghurt, also habe ich einen (verbesserungswürdigen) Vanillesirup für seinen Joghurt zusammengebraut, den das Kind so sensationell findet, daß es plötzlich die Gekauften mit dem A***llerwertesten nicht mehr anschaut. Da ein paar Erdbeeren reingeschnippelt und ein paar Stunden durchziehen lassen...mhmmmmm. Da hat sich das Kind selbst halbkrank noch reingelegt.

4. Mandelcreme
Erdnußbutterfan? Oder generell: Nußcremefan? Wir ja schon. Nur leider gibt es hier Pic's Really Good Peanut Butter - der Name stimmt! - nicht. Wir haben hier einige Sorten ausprobiert und so ziemlich alle bis auf eine für gruselig befunden. Wozu denn bitte Zucker in Erdnußbutter? Oder noch mehr Fett? Nüsse haben Fett genug. Auch hier ist die Lösung: Selbermachen. Dazu braucht man nicht viel, nur ein paar Nüsse und eine Küchenmaschine, die in der Lage ist, diese zu Mus zu zerkleinern. Meine brauchte dafür ca. 20 Minuten mit Pausen, da sonst der Motor überhitzt wäre. Man röstet die Nüsse, in diesem Falle Mandeln, kurz in der Pfanne an, läßt alles abkühlen und schmeißt es dann ins Mahlwerk und mahlt und mahlt und mahlt. Bis das Fett aus den Nüssen getreten und alles ganz weich und cremig ist. Wie gesagt, das kann dauern. Ein wenig Salz noch dazu und - voilà - fertig ist das Nußmus. Immer noch kalorienreich und eher als Sonntagsextra denn als alltagstaugliches Frühstücksaccessoire zu betrachten, aber wenigstens weiß man, was da drin ist und kann es darum auch wirklich genießen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sind die Fotos gut - ich bekomme Hunger.

Tati x

Juliane hat gesagt…

Oh toll! Ich habe neulich auch Holunderblüten in Pfannkuchenteig ausgebacken. Mein Ziel war eigentlich eine Optik wie bei Dir, hat bei mir aber nicht geklappt, mein Teig war zu schwer. Jetzt werde ich es mal nach Deinem Rezept probieren.

Schmeckt Dein Holunderblütensirup intensiv nach HOlunder? Bei meinem dominieren leider Zucker und Zitrone, das fand ich nicht so gelungen.

Tolle Fotos!

Viele Grüße und schöner Tag noch,
Juliane

Susi Sonnenschein hat gesagt…

@Juliane: der Teig muß ziemlich dünnflüssig sein, dann klappt es eigentlich ganz gut - ehrlich gesagt war ich selber erstaunt, daß es kein Klump geworden ist, sondern sich im Topf noch richtig schön entfaltet hat. Der Holunderblütensirup schmeckt ziemlich intensiv - ich habe aber auch sehr viele reingeworfen. Die müssen auch richtig aufgegangen sein.

Frau_H. hat gesagt…

Großartige Fotos!

Susi Sonnenschein hat gesagt…

:-) Danke!

Anonym hat gesagt…

@nussmus:
selber machen ist natürlich klasse. aber ich hab zwei linke hände und nehme deshalb immer das von rapunzel. das schmeckt superlecker, hat nur nüsse drin und je nach dem bissi meersalz und sonst nix.
http://rapunzel.de/brotaufstriche-nussmuse.html

vielleicht ist das ja ne alternative für euch, wenn ihr mal keine lust auf selber machen habt. :)

lg,
nuria

Susi Sonnenschein hat gesagt…

@Nuria: nun ja, ich muß zugeben, daß es mir gar nicht um das Nußmus ging, sondern darum, das mal auszuprobieren. So viel anders als das von Rapunzel ist es ja auch gar nicht :-)

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