Mittwoch, 30. März 2011

Titanisch abgesoffen: Liz Jensens "Endzeit"

Wieder ein Buch von Vorablesen.de: Endzeit von Liz Jensen.

Was habe ich das Buch mit Spannung erwartet, hat doch die Leseprobe so viel versprochen: Originelle Wortgespinste, ein psychotischer Teenager, eine verkrüppelte Psychologin als Betreuerin, die einen sehr makabren Humor besitzt, eine Nervenheilanstalt, in der die gefährlichsten Teenager Englands eingesperrt sind.

Was hätte man für eine Geschichte daraus entwickeln können! Man muß ihr zugute halten: Liz Jensen hat es ja auch versucht. Religiöser Wahn kommt darin vor: der Vater Bethanys, dieser gestörten Muttermörderin, ist fanatischer Christ, der die Entrückung predigt - die Erlösung für alle wahren Gläubigen, während der schäbige Rest auf der Erde vor sich hinschmachtet. Bethany als Muttermörderin, die, wie sich herausstellt, von ihren Eltern mißhandelt wurde, da sie den Teufel in ihr vermutet haben. So ganz unrecht hatten die Eltern nicht. Bethany hat Visionen von kommenden Katastrophen und ist Elektroschocksüchtig. Sie sagt den Weltuntergang voraus. Hinzu kommt die Psychologin im Rollstuhl, die sich fragt, warum ihre Vorgängerin so beharrlich totgeschwiegen wird. Diese wird von den Visionen Bethanys mehr und mehr gefangen genommen. Aber immer noch nicht genug: eine Lovestory, eine rührende Geschichte, wie sich die Rollstuhlfahrerin und ein Physiker finden. Umweltkatastrophen. Schwule Klimaforscher. Entführung. Drohender Weltuntergang durch rücksichtslos profitgierige Unternehmen.

All das und noch viel mehr hat Liz Jensen in  ihren "apokalyptischen" Thriller (?) reingepackt. Eigentlich müßte dieser doch, bei der Fülle vor Spannung überschäumen, ja platzen! Doch er tut es nicht. Statt dessen läßt Jensen, die, wie sie am Anfang gezeigt hat, eigentlich eine Schriftstellerin ist, die mit Worten umzugehen versteht, stark nach. Ihr Stil banalisiert sich im Laufe des Buches, wird zum öden Mainstreamallerlei, wie wir es zu Dutzenden schon (besser) gelesen haben.

Hinzu kommt, daß die Autorin zwar mit Worten umzugehen versteht, aber, zumindest hier, eine miserable Erzählerin ist. Die Geschichte, die doch eigentlich vom Anspruch Frank Schätzings daherkommt, dümpelt gnadenlos langweilig vor sich hin. All diese schönen Katastrophenszenarios. All diese vielversprechenden Charaktere. Und das aufregendste, was passiert, ist ein Wirbelsturm im Fernsehen und diese merkwürdige, zähe, krampfhafte Liebesgeschichte, die sich wie Kaugummi zieht, einen Großteil des Buches einnimmt und doch keinen interessiert.

Man würde sich gerne fragen: "ja, watt denn nu?" (So als alter Rheinländer) Was wollte denn die Autorin? Eine Liebesgeschichte? Einen Ökothriller? Konsum- und Gesellschaftskritik? Eine Reflektion auf das schwierige Leben im Rollstuhl? Eine Mißbrauchsgeschichte? Eine Kritik an dem eigentlich furchterregend-fanatischen Hurra-Christentum, über das wir uns alle lustig machen? Nichts davon geht in die Tiefe, nichts davon wird logisch aufgebaut, nichts davon wird wirklich ausgearbeitet oder wirklcih reflektiert. "Blabla" würde Bethany, die einzig interessante Gestalt dieses Machwerks, sagen. Schade. 

Es ging mir beim Lesen so ähnlich wie beim Film "Titanic": stundenlang gepflege Langeweile und der heftige Wunsch, daß der Kahn doch endlich untergehen möge, damit es endlich vorbei ist.

1 Kommentar:

legesilo hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
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